Die Beschreibung im Larp-Kalender las sich nicht schlecht:
Die "alte Mühle" war seither ein alseits gern genutzter Rastpunkt für Reisende aus aller Herren Länder. Doch heist das nicht das dort nicht schon das ein oder andere Abenteuer erlebt wurde... ...vor kurzem wurde die Tradition des Mondscheinturniers eingeführt die an jedem Abend an dem sich genug Teilnehmer einfinden folzogen wird. Gegenwärtiger Champion der Taverne ist der erfahrene Söldner Baios Astanar, denn es herauszufordern gilt...Gerüchten zufolge wird sich auch bald ein Keramikhändler dauerhaft in der Taverne einquatieren denn die Gegend um die Taverne ist gefährlich...Orks treiben im Wald ihr Unwesen... ...wir laden ein zum gemütlichen beisammensein mit Met, Bier und Wein. Auch der ein oder andere Plot erwartet alle Neugierigen.
Und so machten wir - 4 Menschlein und 1 Kobold - uns als Conzahler (20 Euro pro Person) auf dieser nicht weit von Koblenz (bei Niederfell in Rheinland-Pfalz) gelegene Taverne einen Besuch abzustatten. InTime spielte sich das ganze Geschehen in Aventurien, genauer gesagt in Albernia ab, der Fantasy-Welt von DSA, wobei für die Teilnehmer kein aventurischer Hintergrund vorausgesetzt wurde.
Der Weg dorthin war nicht schwer zu finden, was jedoch kurz vorm Ziel insbesondere einem gut genährten Rittersmann zu verdanken war, der todesmutig an der Hauptverkehrsstraße als lebende Reklame auf die richtige Abfahrt verwies.
Vor Ort ergab sich schließlich folgendes Bild:
Leicht außerhalb der Ortschaft gelegen, sowie mit einem kleinen Bach und viel Wald in der Nähe, machte die "alte Mühle" schon einen guten ersten Eindruck. Dieser setzte sich dann im Inneren fort, was vor allem der rustikalen Holzeinrichtung zu verdanken war. Erwähnenswert wäre sicherlich die Tatsache, dass die "alte Mühle" auch OutTime eine gemütliche Kneipe ist, was in meinen Augen ein Pluspunkt darstellt, da wegen der vorhandenen kleinen, aber feinen, Theke der Eindruck einer "richtigen" Taverne vermittelt wurde.
Draußen gab es die Möglichkeit auf ein paar Bänke zu sitzen und auf dem anliegenden freigehaltenen kleinen Parkplatz Kämpfe auszutragen - oder einfach zu flanieren. Viel mehr Außenfläche bot die Taverne nicht, außer man war bereit in die Ortschaft auf der einen oder durch den dunklen Wald auf der anderen Seite zu wandern. Ob man dies negativ oder positiv werten sollte sei jedem selbst überlassen - mich persönlich hat es nicht gestört.
Soviel dazu. Kommen wir nun zu dem spannenderen Teil, nämlich dem, was den Spielern so geboten wurde:
In der Beschreibung war von dem einen oder anderen Plot die Rede und tatsächlich war dies nicht gelogen. Ich möchte jetzt aber nicht ins Detail gehen, sondern lediglich festhalten, dass die Quests für meinen Geschmack etwas zu konstruiert wirkten. Von Seiten der Orga kamen meiner Ansicht nach zu schnell zu direkte Hinweise zum Plot bzw. zu dessen Lösung. Nichtsdestotrotz fanden sich genug Spieler, die wohl großen Spaß daran hatten.
Mir persönlich gefällt es jedoch nicht mit dem sprichwörtlichen Holzhammer auf den richtigen Weg gebracht zu werden.
Wie dem auch sei, Vergnügen hatte ich trotzdem, immerhin hängt der Erfolg einer Taverne nicht minder von den Teilnehmern selbst ab und in der "alten Mühle" konnte ich durchaus sehr unterhaltsame Gespräche führen.
Alle Teilnehmer konnte (oder wollte?) ich nicht kennenlernen, was jedoch bei der großen Anzahl (ich bin schlecht im Schätzen: 40 bis 50 Leute? Wenn die Orga das liest, darf sie mich bitte korrigieren) auch nicht verwunderlich war.
Das angekündigte Turnier trug auch sehr zur Unterhaltung bei: Nachts im "Mondlicht" der Prakplatzbeleuchtung konnten sich die Teilnehmer in einem großen Publikumskreis der anderen Tavernenbesucher im Schwertkampf üben. Ich finde das Regelsystem bedarf aber einer Verbesserung: Es sollte nicht möglich sein durch einen Doppeltreffer zu gewinnen. Wenn also, wie hier, der Sieger danach ermittelt wird wer zuerst 3 Treffer landet und jemand mit 2:1 führt, dann sollte es bei einem Doppeltreffer solange weitergehen bis ein Unterschied von 2 Treffern erzielt wurde. Anders ist es nämlich für den in Führung liegenden ein leichtes einen sicheren Schlag auszuführen und dabei einen Treffer in Kauf zu nehmen.
Nur mal als kleine Anregung für weitere Turniere...
Besonders hervorzuheben ist das Bezahlungssystem in der "alten Mühle": Man bekam als Spieler 15 hauseigene Kupfermünzen ausgezahlt, mit denen man Speisen und Getränke kaufen konnte. Ging einem das Geld aus, gab es die Möglichkeit Kupfermünzen mit echtem Geld nachzukaufen. Dabei belief sich der "Wechselkurs" auf 0,50 Euro pro Kupferstück. Insgesamt sehr faire Preise, wenn man als Beispiel den Schwarzwurzelsaft (bzw. ein Glas Cola) nimmt, für den man einen Kupfer zahlen musste. Die teuersten Getränke sowie eine kleine Schüssel warmen Eintopfs kostete 3 Kupfer. So konnte man auch ohne InTime-Geld nachkaufen zu müssen gut über die Runden kommen.
Zu guter Letzt noch ein negativer Kritikpunkt: Beim Einchecken wurden die Waffen nicht geprüft. Zwar verlief der Abend ohne Zwischenfälle und grundsätzlich unterstelle ich sowieso jedem LARPer, dass er eine unsichere Waffe nicht benutzt, aber es gibt immer solche und solche und eine Orga sollte da von Anfang an ein Auge drauf haben. Beim nächsten mal also bitte die Waffen checken.
Unterm Strich kann ich folgendes Fazit ziehen:
Ein unterhaltsamer Abend mit leckerem Essen und vielen interessanten Charakteren. Ich komme gerne wieder!

Auszug aus dem Tagebuch von Sanesio Sallador
(IN-TIME)
[...]
Endlich wieder fester Boden unter den Füßen. Ich hasse es mit dem Schiff zu reisen! Ab jetzt geht es aber zu Fuß weiter - doch was heißt schon "jetzt"? Vorerst muss ich erkunden wie hübsch die Frauen in dieser Stadt sind...
[...]
Dieser Mann mit dem verbrannten Gesicht scheint etwas zu verbergen. Auch wenn ich lieber sagen würde er sollte etwas verbergen - diese Narben sind wirklich nicht liebevoll anzusehen. Aber er bezahlt gut, also werde ich ihn und seine Gefährten eine Weile begleiten.
[...]
Sein Name ist Lazarus - sagt er zumindest.
Tut aber sowieso nichts zur Sache. Die anderen sind ein schwerer
Magus, eine kleine Frau - vielleicht zu klein für mich, das
wird sich auf der Reise noch zeigen - und ein, wie soll ich es nur
nennen, ein Wesen mit einer Haut aus Feuer, das die anderen als
Feuerkobold bezeichnen und es liebevoll Funke nennen. Licht-Wicht
fände ich irgendwie amüsanter.
[...]
Wir brechen in ein paar Stunden auf. Ich denke ich werde keine Fackeln kaufen müssen...
[...]
Erste Nacht im Freien verbracht. Im Wald. Welch Überraschung: Ich bin nicht als Häufchen Asche aufgewacht.
[...]
Haben uns in einer kleinen Siedlung gestärkt und uns vor Orks warnen lassen, die in den Wäldern hausen. Verdammt, bei einem Überfall könnte mein Gewand schmutzig werden!
Ich wollte mich bei den Dorfbewohnern gleichermaßen mit einer Warnung bedanken, aber ich befürchtete, dass "Salla ist hier, passt auf eure Töchter auf, liebe Väter" vielleicht nicht ganz den Humor dieser Leute treffen würde. So fügte ich noch die Ehefrauen und Mütter hinzu... Das wurde sehr scherzhaft aufgenommen. Diese Einfallspinsel.
[...]
Wegweiser für eine Taverne namens "Zur alten Mühle" gesichtet.
[...]
Schöne Taverne. Scheint gut besucht zu sein. Bevor wir einkehren schaue ich nach ob hier ein Steckbrief von mir hängt. Scheint wohl noch nicht der Fall zu sein.
[...]
Zwei Schankmaiden. Äußerst hübsch. Mal sehen wlche von den beiden mir heute Nacht Gesellschaft leistet.
[...]
Schade. Keine von beiden wird sich an Sallas Feuer wärmen können: Habe erfahren, dass unsere kleine Gruppe mitten in der Nacht weiterreisen möchte. Dieser massive Magus murmelte irgendetwas von "nicht sicher" und "zuviele Leute".
[...]
Ich glaube es kaum: In dieser Taverne wird ein Turnier abgehalten. Und sie nennen es "Mondscheinturnier" weil es mitten in der Nacht stattfindet. Ich bin gespannt auf die Kampfstile dieser Gestalten hier.
[...]
Seefahrer! Hier? Weit weg vom nächsten Hafen? Suchen sie vielleicht einen Schatz? Diese Einfallspinsel.
[...]
Die Getränke sind lecker und das Essen
liegt gut im Magen. Die anderen Gäste kenne ich nicht und was
viel besser ist. Sie kennen mich anscheinend auch nicht. Von hier
scheint keine Gefahr auszugehen. Kann beruhigt mein Schwert
abstellen, die Dolche bleiben aber wo sie sind. Ohne sie fühle
ich mich so nackt...
[...]
Beinahe hätte sich eine wunderschöne Elbenfrau unserer Gruppe angeschlossen. Dieser Lazarus scheint sie aber verschrocken zu haben. Dennoch konnte ich durch sie viel neues über ihre Kultur erlernen, wie zum Beispiel, dass ihr Herz nicht so leicht entflammbar ist wie das eines Menschenfräuleins.
[...]
Ein Bauerntölpel hat zuviel getrunken uns ist vom Stuhl gekippt, doch fast alle rufen etwas von Vergiftung. Obwohl ich zugeben muss, dass die Schankmaiden sehr verführerisch aussehen wenn sie so aufgeregt nach Hilfe rufen...
[...]
Habe das Turnier nicht gewonnen. Ich fand es nicht richtig meine Stärken zu offenbaren.
[...]
Die meisten Gäste begeben sich zur Nachtruhe und unsere Abreise steht ebenfalls kurz bevor.
[...]
Bekanntschaft mit einem Händler gemacht. Leider konnte ich ihm keine einzige Giftsorte abschwatzen - er hatte nämlich gar keine. Schade. Ich liebe es mit Giften zu arbeiten.
[...]
Sind abgreist und haben die Taverne hinter uns gelassen. Die nächste Nacht werden wir wohl wieder im Freien verbringen. Sieht nach Regen aus. Bin gespannt ob dieses Feuerwesen ausgehen kann...




Kommentare